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Theologische Ecke

Stichwort: Menschenwürde EviN Oktober / November 2010

Von Reinhard Henrich 31.09.10 >> Kigodi-Teamerinnen

Immer wieder wirft der persönliche oder gesellschaftliche Alltag Fragen auf:
was ist menschenwürdiges Leben, was ist menschenwürdiges Pflegen, oder Sterben und Beerdigen, oder was ist zum Beispiel menschenwürdiger Strafvollzug... Und dann kommt man vielleicht auch zur Frage: was ist Menschenwürde, was ist Würde überhaupt? Ist das ein Thema für die theologische  Ecke?

Es ist ein zentraler Begriff in unserem Recht: die Würde des Menschen ist unantastbar,
heißt es zu Beginn unseres deutschen Grundgesetzes, besonders nach den Erfahrungen des Nazi-Regimes.
Aber wir erleben trotzdem ständig, dass diese Würde beschädigt und verletzt wird, dass Menschen in ihren Lebensrechten und -formen und in ihren Gefühlen missachtet werden.
Einerseits hat heute das Wort Menschenwürde einen hohen Stellenwert -
andererseits erleben wir, wie Menschenwürde zum Teil systematisch entwertet wird, und das betrifft z.B. sowohl Arbeitsverhältnisse als auch den Umgang mit Menschen in den Medien.


Die Würde des Menschen wird philosophisch oder theologisch unterschiedlich definiert und begründet.
Für Juden und Christen hat sie ihr Fundament darin, dass der Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen ist, also göttlichen Glanz in sich trägt, auch wenn das Dunkle und Böse ebenso den Menschen ausmacht.
In allem Geschaffenen ist göttliche Präsenz - aber diese muss sich erst langsam entfalten. Zugleich wird sie oft verdunkelt, entstellt.


In manchen anderen Sprachen klingt der göttliche Ursprung der Würde auch noch im Wort auf:
z.B. dignity (engl.) stammt vom lateinischen dignitas - Würde, und das leitet sich ab von dem Wort für Gott: deus, wir finden es auch im italienischen "Dio".
So ist diese göttliche Würde in jedem Menschen wie ein Keim angelegt, aber sie muss sich entwickeln,
muss im Elternhaus, in der Schule, in den Kirchen gefördert werden, und jeder irgendwann selber sich entscheiden,
wie viel echte innere Würde er anstrebt. Manchmal sehen wir diese Würde schon an jungen Menschen,
und erst recht an alten Menschen als Summe ihres Lebens, und dann bemerken wir eine gute Haltung zum Leben und eine echte innere Ausstrahlung.

Manchmal erleben wir aber auch das krasse Gegenteil: Menschen lassen sich leicht manipulieren,
sich würdelos zu verhalten, zu kleiden oder zu äußern, ohne wirklichen Respekt für sich selbst oder für die anderen.
Es gibt dabei für Würde und Menschenwürde keinen unabhängigen Maßstab - der ist kulturell bedingt und auch immer im Wandel. Es geht auch nicht um eine aufgesetzte, fassadenhafte Würde, die nicht dem Inneren entspricht, und die den Wert anderer beschädigen soll.


Die theologische Frage nach der Würde des Menschen kann uns immer wieder dahin bringen,
in den eigenen Spiegel zu schauen und zu fragen: wer bin ich, woher beziehe ich meinen Wert,
und was soll mich prägen und ausmachen - will ich "würdig" leben?
Diese fast antiquierte Frage nach Würde und Menschenwürde ist ein hohes Gut, an dem sich unsere Lebenspraxis orientieren kann, und an dem wir politische, wirtschaftliche, kirchliche und andere Entscheidungen immer wieder neu überprüfen und verändern können. Menschenwürde wird konkret in bestimmten Rechten, aber auch Pflichten und Lebens-haltungen. Das wird zum Beispiel eben auch im Grundgesetz beschrieben, und ist doch oft leider nur eine Forderung auf dem Papier und zu wenig spürbare Realität im Leben.


Zu wissen: ich bin bei aller Unvollkommenheit ein Träger des Göttlichen - und jeder Mitmensch ist es auch -das ist ein Sinn für Menschenwürde, der uns einiges zutraut, aber auch zumutet: Respekt vor sich selbst, und Respekt vor dem anderen, und ein entsprechendes Handeln.
Und dazu noch ein Zitat zum Nachdenken:
Ernst Benda, Präsident des evang. Kirchentags, Bundesinnenminister a. D., Präsident des Bundesverfassungsgerichts a. D., sagte im Jahr 2001:

"Es sind die Menschen am Rand und außerhalb der Gesellschaft, die auf die Achtung der Menschenwürde am meisten angewiesen sind...
Was Menschenwürde wirklich bedeutet, zeigt sich nicht bei den Gesunden, Erfolgreichen, nicht in den Kreisen der Schönen und Reichen, sondern in den Strafanstalten, den Häusern der Psychiatrie, den Asylanten- und Ob-dach-losenheimen und in den Pflegeheimen...
Wenn die Frage nach der Menschenwürde nichts bewertet, ist sie nichts wert."

 

Letzte Änderung: 28.01.2011



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