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Theologische Ecke

Christi Himmelfahrt EviN 16 - Juni / Juli 2011

Von Reinhard Henrich 30.04.11 >> Weltgebetstag 2011


Anfang Juni bringt der Feiertag Christi Himmelfahrt wieder eine willkommene Unterbrechung der Schul- oder Arbeitswoche, für viele die Gelegenheit zum Vatertags-Ausflug oder zum langen Wochenende mit Brückentag…

Aber welcher Sinn liegt diesem Fest eigentlich zugrunde? Und was sagen die Sätze im kirchlichen Glaubensbekenntnis aus dem 4. Jh.: "...aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes…"? Merkwürdige Sätze, für viele Mitmenschen - auch für viele Christen - nicht nachvollziehbar und unverständlich. Sie scheinen Ausdruck zu sein eines überholten, antiken Weltbildes und weltliche Herrschaft in den "Himmel" zu projizieren.

Der Fußabdruck Jesu bei der Himmelfahrt, in Jerusalem zu sehen, wirkt reichlich absurd. Bei Himmelfahrt denken wir heute eher an Raketenstarts… Die englische Unterscheidung zwischen "sky", dem Himmel, in den Raketen steigen, und "heaven", einem spirituellen, geistig-emotionalen Bereich, klingt besser. Moderne Glaubensbekenntnisse lassen das Thema Himmelfahrt aus, während die römischkatholische Kirche auch die Himmelfahrt Marias seit dem 6. Jh. als Tradition hat und 1950 sogar zum Dogma erhob.

Himmelfahrt Christi? Ich mache einen Versuch, dieses uralte Dogma in seiner symbolischen Sprache zu verstehen und für uns zu übersetzen:

Als Bild sagt es etwas über die Würde und Erhabenheit Christi nach dem Geschehen von Kreuz und Auferstehung. Etwas Königliches wird mit ihm in Verbindung gebracht. Und ein König oder Kaiser hatte früher absolute Macht, und das ist der zweite Stolperstein, genauso wie das Wort "allmächtig", weil wir oft Gott als scheinbar ohnmächtig erleben, oder auch jemand mit absoluter Macht eher Angst einflößend ist… So flossen in dieses Bild das damalige antike Weltbild und imperiale, patriarchale Herrschaftsstrukturen ein, erkennbar in vielen Christus-Bildern der Antike und des Mittelalters.

Aber genaugenommen sagt dieses Bild, dieses Dogma, das Gegenteil: Christus liegt nicht an Macht von oben oder von außen, er stellt irdische Machtverhältnisse in Frage oder kehrt sie um. Die Macht, die Kraft, auf die allein er setzt, ist die Liebe und das Vertrauen zu Gott. Und diese Kraft wird in den Himmel erhoben, in eine universale Geltung gesetzt; dieses sein Lebensprinzip durchdringt den ganzen Kosmos (Johannes 1, 1) und ist seine oberste Instanz. Auch das bleibt ein steiler Satz, ein Anspruch, der uns provozieren oder trösten und stärken kann.

Letzte Änderung: 25.05.2011



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