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Theologische Ecke

Osterlachen EviN 21 - April / Mai 2012

Von Bettina Tarmann 20.03.11 >> Lieder und Musik im Gottesdienst

Kaum ein Kirchgänger kennt es nochdas Osterlachen! Dabei war es über Jahrhunderte ein weit verbreiteter Brauch. Dazu gehörte es, in der Osterpredigt eine Geschichte zu erzählen, die die Gemeinde zum Lachen brachte.

Neben diesen "Ostermärlein" gab es aber auch Pfarrer, die an Ostern gackerten wie Hennen, Grimassen schnitten oder Witze von der Kanzel erzählten. Einige zauberten sogar angeblich selbst gelegte Ostereier aus ihren liturgischen Gewändern hervor. (Fast) alles war erlaubt, was die Gottesdienstgemeinde zum Lachen und Jubeln brachte.
Und das nicht aus Respektlosigkeit, sondern um die Freude über die Auferstehung erfahrbar werden zu lassen. Gleichzeitig symbolisierte das Osterlachen den Sieg des Lebens über den Tod und machte den Tod damit lächerlich. Eine Glaubenserfahrung mit allen Sinnen könnte man sagen.

Vom 14. bis ins 19. Jahrhundert war das Osterlachen fester Bestandteil des christlichen Brauchtums. Aber es gab auch heftige Kritiker dieser Tradition. Denn nicht immer ging es nur um harmlose und fröhliche Späße, sondern oft auch um recht derbe Witze. Diese Praxis war besonders im Protestantismus verpönt.

So schrieb der Reformator Johannes Ökolampad einen heftigen Brief gegen diesen Brauch, der 1518 veröffentlicht wurde und weite Kreise zog. Aus seinem Brief stammt auch der lateinische Begriff "Risus paschalis" Osterlachen.

Im 18. Jahrhundert wurde das Osterlachen immer seltener und bald blieben von den vielfältigen Späßen nur noch die althergebrachten "Ostermärlein" übrig. Im 19. Jahrhundert schließlich gab es vielerorts sogar offizielle kirchliche Anordnungen, welche "Fabeln, gereimte Dichtungen und Obskures" aus den Predigten verbannten.

Heute wünschen wir uns vermutlich wieder mehr Freude und Lachen in unseren Kirchen. Grund zur Freude haben wir jedenfalls, denn auch heute noch erzählt Ostern vom Sieg des Lebens über den Tod. An Ostern lehrt Gott uns das Lachen mit Leib und Seeleist das nicht wunderbar?

BETTINA TARMANN

 



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