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LAUDATIO auf die Kantorei

der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt-Nied aus Anlass ihres 125-jährigen Bestehens

von Heinz Krämer 30.09.12 Kantorei +>


Das ist heute ein besonders festlicher Gottesdienst:
Wir feiern das Erntedankfest.
Und wir feiern den 125. Geburtstag der Kantorei.
Bei so viel Feiern dürfte der Gottesdienst recht lange werden.
Und ich soll ich auch noch eine LAUDATIO, einen Lobpreis, auf die Kantorei, das 125 Jahre alte Geburtstagskind, halten.

"Mach's kurz mit der Laudatio", wurde mir zugeflüstert. Aber etwas muss ich ja doch sagen. Also sage ich zunächst einmal -ganz kurz:
Herzlichen Glückwunsch, liebe Kantorei dafür, dass du schon so viele Jahre die Gottesdienste durch deinen Gesang bereicherst und verschönst.
Danke auch für die vielen Aktivitäten im geselligen Bereich, mit denen du deinen Mitglieder und der ganzen Gemeinde Freude bereitest.

Und Danke auch für die tolle Reisen
zu bedeutenden und interessanten Orten im In- und Ausland,
die du mit deinen Sängerinnen und Sängern unternimmst.
Ja, und den Sängerinnen und Sänger sei besonders gedankt,
dass sie durch so viele Jahre -
in guten und in schlechten Zeiten -,
regelmäßig und treu
zusammengekommen sind, um zu proben und zu üben,
damit all das Schöne, das die Kantorei der Gemeinde schenkt,
auch gut gelingt.

Und damit könnte ich meine "Lobpreisung",
meine Laudatio, beenden.
Denn was soll ich noch mehr zu deinem Lobe, liebe Kantorei, sagen.
Vielleicht kann ich das Ganze zusammenfassen in einem Satz:
Es ist schön, liebe Kantorei, dass es dich gibt.

Aber ein solcher Geburtstag -125 Jahre ! -,
der fordert doch geradezu dazu heraus,
einmal zurückzuschauen auf das bisherige Leben des Jubilars:
Wo er herkommt,
wie er geworden ist.
Über seine Geburt steht auf einem alten Blatt,
dass im September 1887 -
also auf den Monat genau vor 125 Jahren -
fünf Männer in der Nieder evangelischen Kirchengemeinde -
die Christuskirche gabs damals ja noch nicht, das war noch die alte Simultankirche -
dass also fünf Männer einen Chor, einen Männerchor in der Kirche gründeten.
In einem anderen Dokument heißt es, die Gründer seien "sangesfreudige Männer" gewesen.
Aber war es nur reine "Sangesfreude", die den Impuls zur Gründung dieses Vereins gab?
Damals, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhundert, schössen überall Vereine aus dem Boden:
Turnvereine, Wandervereine, Schützenvereine und viele Gesangvereine, fast immer waren es Männerchöre.
Es war die Zeit nach dem gewonnenen Krieg 1870/71. Das Geschäftsleben, die Wirtschaft blühte. Man spricht von der Gründerzeit.

Die Industrielle Revolution breitete sich immer weiter aus. Die Gesellschaft veränderte sich.
Man brauchte und man suchte neue Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Hier bekamen Zusammenschlüsse von Menschen mit gleichen Interessen, also Vereine, immer mehr Bedeutung.
Und schließlich waren es dann ja auch die Nieder Vereine,
die maßgeblich das gesellschaftliche Leben trugen und bestimmten -
und dazu gehörte auch der Männerchor der Nieder evangelischen Gemeinde,
zu dem erst später auch Frauen zugelassen wurden.

Im §1 der Satzung des 1862 gegründeten Deutschen Sängerbundes, heißt es: er wolle "durch die dem deutschen Liede innewohnende Kraft... die nationale Zusammengehörigkeit der deutschen Stämme stärken und an der Einheit und Macht des Vaterlandes mitarbeiten".

Solche nationalen, oft nationalistischen Tendenzen waren damals überall eine starke Triebfeder für Aktivitäten im gesellschaftlichen Raum, auch für die Vereinsgründungen.

Und bestimmt war es nicht nur reine Sangesfreude, die zur Gründung des Männergesangvereins in der Nieder evangelischen Kirche führte. Der Zeitgeist spielte eine wichtige Rolle.

Und das wirkte sich auch auf die Auswahl der Lieder und Gesänge aus:

Das Volklied wurde gepflegt,
die Liebe zur Heimat wurde besungen.

Bei dem Chor der evangelischen Kirche,
da waren es neben Volksliedern und Kirchenchorälen auch die so genannten
Geistlichen Volkslieder.

Ein Lehrer, bei dem ich für meine Konfirmationsfeier das geistliche Volkslied
"Ich will streben nach dem Leben" gelernt hatte, war der Lehrer Blad.
Und der war damals der Organist und Chorleiter, jetzt an der Christuskirche.

Und schaut man sich die Geschichte des Chores an, so waren es am Anfang fast immer Lehrer, die dieses Amt ausübten:
der Lehrer Diehl, der Lehrer Sanner, der Lehrer Strobel und eben auch der Lehrer Blad.

Und das ist kein Zufall, waren doch die Volksschullehrer von ihrer Ausbildung in den Präparandenanstalten auf das Singen mit Kindern und auch für - wie es hieß-"das Orgelspiel in kleineren und mittleren Landgemeinden" vorbereitet.

Nach August Blad leitete ab 1950 Dr. Knopf den Chor.
Dann übernahm ich die Chorleitung.
Mir folgte Ingeborg Kahl,
schließlich Frau Eigen
und von 1975 bis 1979 Hans Götz.

Und dann war die Organisten- und Chorleiterstelle an der Christuskirche vakant.
Sie wurde ausgeschrieben, und es bewarben sich eine junge Frau und ein junger Mann.
Sie spielten an der Orgel in unserer Kirche einem Musikausschuss des Kirchenvorstands, dem ich angehörte, vor.
Der junge Mann ließ aufhorchen.
Wie der die Orgel spielte, das ließ erkennen, dass er ein Organist mit besonderen Fähigkeiten war.

Dieser junge Mann war ein gewisser Reiner Genz. Er bekam die Stelle.

Das also wußten wir:
Der Reiner Genz kann sehr gut die Orgel spielen. Wie aber würde er als Chorleiter sein?
Nach einiger Zeit seines Wirkens, während der er u.a. eine Bach-Kantate mit Orchester aufgeführt hatte, hieß es:
Der Kirchenchor ändert seinen Namen. Er heißt jetzt KANTOREI.

Wenn das nicht nur ein anderes Etikett war, was man dem Chor da anheftete, dann war mit der Bezeichnung "Kantorei"

ein Programm signalisiert,
ein Anspruch benannt,
der für die künftige Arbeit - im wahren Sinne des Wortes - "maßgebend" sein
sollte.
Denn Kantoreien hatten einen anderen geistigen Ursprung, als die im 19. Jahrhundert entstandenen Gesangvereine, von denen ja unser Kirchenchor eigentlich abstammte.

Die Sänger in Kantoreien,
das waren nicht nur Laien, die sich zum gemeinsamen Singen
zusammenfanden, das waren zum Teil Leute mit professioneller Schulung.
Und diese Kantoreien waren fest in der Kirche verankerten, sangen zum Gottesdienst und begleiteten die Kasualien, sangen bei Hochzeiten und vor allen bei Begräbnissen.

Und die Literatur, die sie sangen, waren zum Teil hochkomplexe, polyphon strukturierte Kunstwerke. Figuralmusik. Motetten.

Und nun hieß der Nieder Kirchenchor "Kantorei".
Seine Wurzeln lagen woanders, wie wir gesehen haben.
Aber:
Er stand nicht in der der Tradition der Kantoreien des 16./17./18. Jahrhunderts.

Es ist gut, dass der Chor auf Veranlassung von Herrn Genz seit 1981 Kantorei heißt.

Denn damit ist klar, woran sich die Chorarbeit von Reiner Genz orientiert.
Und, liebe Kantorei, damit ist dir ein anspruchsvolles Ziel für deine Arbeit gegeben.

Aber bei allem Streben nach immer besserer künstlerischer Leistung, eines solltest du nie vergessen,
und das sagt ein berühmter Kantor, nämlich Johann Sebastian Bach, knapp und klar:

Der Musik Ziel und Ende, also auch Ziel und Ende deines Singens, liebe Kantorei, soll nichts anderes

"als nur zu Gottes Ehre und Recreation des Gemüts seyn."

Ob nun Kirchenchor, ob Kantorei, ob Singkreis oder wie immer sich die Sänger, die im Rahmen der Kirche ihr Amt verrichten, auch nennen mögen:

Musik in der Kirche muss immer ad majorem Dei gloriam geschehen, muss immer auf den Lobpreis Gottes gerichtet sein,

aber auch - und das meint Bach mit "recreation des Gemüts" -,
sie muss auch , die Menschen, die Herzen der Menschen auferbauen und mit Freude erfüllen.

In diesem Sinne, liebe Kantorei, wünsche ich dir erfolgreiches Arbeiten ad multos annos, auf viele Jahre.
 

Letzte Änderung: 30.09.2012



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